| | Haibun
Halt im Nebel
Im
Anfang, noch vor dem Anfang, noch vor der ersten Dämmerung, da war
das Nichts. Nein, nicht einmal ein Wort. Einfach gar
nichts. Die absolute Abwesenheit von allem. Die Abwesenheit
von jeglicher Existenz und allen Seins. Das Unvorstellbare, das
Nicht-in-Worte-Faßbare.
„Der Tod also“, werfe ich spontan ein.
Nein, nicht einmal das. Der Tod ist die Auflösung, das Ende
oder die Transformation von etwas, das ist. Von etwas
Bestimmten. Damit ist auch der Tod etwas Bestimmtes.
„Dann die Leere?“ vermute ich aufs Geratewohl und bewege die kalten Zehen in meinen Stiefeln.
Klingt besser. Doch auch die Leere bezeichnet die Abwesenheit von
Fülle in einem Raum. Sie ist durch den Raum bedingt.
Das Nichts aber ist unbedingt, da es durch nichts als sich selbst
definiert ist. Es ist indifferent zu Anfang und Ende. Es
ist indifferent zu jeglicher Bestimmung und zur Zeit, indem es alles
und nichts ist. Und nicht einmal das.
„Ha, also doch das Wort, das doch alles bedeutet und nichts
ist“, entfährt es mir triumphierend. „Was ist
umfassender, unbestimmter und unbedingter als das Wort?“
Ich friere trotz dicker Daunenjacke.
Worte ausgetauscht
in die schwere Nebelnacht
kommt der letzte Bus.
© Beate Conrad
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